Wenn es bei BONIFAKTUR ein Garn gibt, das fast alles kann, dann ist es Knitting for Olive Merino. Und wenn es ein Garn gibt, das dasselbe kann – nur etwas schneller – dann ist es die Heavy Merino. Beide kommen von derselben dänischen Marke, beide teilen eine Farbpalette sorgfältig abgestimmter Farbtöne (über 90 beim Merino, über 60 beim Heavy Merino). Beide sind OEKO-TEX® Standard 100 zertifiziert, beide sind aus Non-Superwash-Merinowolle. Und doch sind sie nicht dasselbe – und welches du wählst, entscheidet über das Ergebnis deines Projekts.
Dieser Artikel erklärt, was die beiden Garne unterscheidet, für welche Projekte sie jeweils ideal sind, wie du die richtige Wahl triffst, und was passiert, wenn du eines durch das andere ersetzt.
Was ist Knitting for Olive Merino?
KFO Merino ist ein Fingering-Weight-Garn aus 100% Merinowolle. Mit einer Lauflänge von 250 Metern pro 50g ist es eines der längsten Garne seines Gewichts – du bekommst viel Garn für dein Geld. Die empfohlene Nadelstärke liegt bei 2,5–3,5mm, die typische Maschenprobe in glattem Rechts bei 28 Maschen x 38 Reihen auf 10cm.
KFO Merino ist das Garn, das Knitting for Olive bekannt gemacht hat. Seit der Gründung 2014 durch Mette Wendelboe hat die Kopenhagener Marke eine Farbpalette entwickelt, die sich von anderen industriellen Garnfarben deutlich unterscheidet: keine reinen Primärfarben, kein Neon, keine Knalltöne um des Knallens willen. Stattdessen: Dusty Rose, Pale Eucalyptus, Amber, Fog Grey – Farben, die zusammen funktionieren, die man wirklich tragen möchte, und die im fertigen Stückstück genauso aussehen wie auf dem Knäuel.
Technisch hat KFO Merino einen mittleren Twist – weich genug für Wearables, strukturiert genug für klare Muster. Es sollte con Hand gewaschen werden, hält nach dem Trocknen seine Form, und zeigt beim ersten Waschen einen leichten Bloom: Die Fasern lockern sich minimal auf, das Garn wird noch weicher.
Was ist Knitting for Olive Heavy Merino?
KFO Heavy Merino ist – vereinfacht gesagt – das größere Geschwister. Ebenfalls 100% Merinowolle, ebenfalls OEKO-TEX® zertifiziert, ebenfalls in (fast) derselben Farbpalette. Aber mit einer Lauflänge von ca. 125m/50g und einer Nadelstärke von 4–5mm ist es ungefähr doppelt so dick.
Das Gewicht des Heavy Merino liegt zwischen DK und leichtem Worsted. Die Maschenprobe beträgt ca. 18 Maschen auf 10cm. Projekte in Heavy Merino wachsen deutlich schneller – eine einfache Mütze ist in 2–3 Stunden fertig, ein unkomplizierter Pullover in einer bis zwei Wochen.
Heavy Merino hat ähnliche Pflegeeigenschaften wie das dünne Merino: handwaschbar, formstabil nach dem Waschen, mit demselben typischen Bloom. Der Unterschied: Die Maschen sind größer und deutlicher sichtbar. Strukturmuster wie Zöpfe, Rippen und Reliefs kommen dadurch besonders gut zur Geltung.
Der direkte Vergleich
| Eigenschaft | KFO Merino | KFO Heavy Merino |
|---|---|---|
| Gewicht | Fingering (250m/50g) | DK/leichtes Worsted (125m/50g) |
| Nadelstärke | 2,5–3,5mm | 4–5mm |
| Maschenprobe | 28 M/10cm | 18 M/10cm |
| Faserinhalt | 100% Merino | 100% Merino |
| Zertifizierung | OEKO-TEX® Standard 100 | OEKO-TEX® Standard 100 |
| Farbpalette | 90+ Farben | Gleiche Palette (etwas kleiner) |
| Wäsche | Ja, Handwäsche | Ja, Handwäsche |
| Projektgeschwindigkeit | Langsamer, feiner | Schneller, voluminöser |
Für welche Projekte eignet sich KFO Merino?
Feine Tücher und Stolas: Fingering zeigt Lace-Muster, Farbverläufe und Fading-Effekte in einer Feinheit, die DK nie erreicht. Ein großes Dreieckstuch aus KFO Merino kann aus 150–200g entstehen, wiegt fast nichts, und ist trotzdem warm.
Leichte Pullover und Cardigans: Für Pullover, die sich wie ein feines gekauftes Kleidungsstück anfühlen sollen. Die höhere Maschenzahl pro Reihe erlaubt präzisere Formgebung – Schulterlinien, Armausschnitte und Taillen kommen feiner heraus als bei DK.
Farbwork und Norwegermuster: Die feine Maschendichte erlaubt komplexe Motive mit vielen Maschen pro Motiv-Wiederholung. Wer traditionelle nordische Muster mit reicher Detailarbeit stricken möchte, ist bei KFO Merino richtig – es liegt sauber, hält die zweite Farbe klar, und das fertige Stückstück zeigt die Muster wie eine Stickerei.
Babykleidung für besondere Anlässe: Für Taufkleidung, feine Strampler und Erstausstattungsstücke, die behutsamer behandelt werden.
Für welche Projekte eignet sich KFO Heavy Merino?
Alltagspullover für Erwachsene: Das ist die Kernstärke des Heavy Merino. Ein Top-Down-Raglan in Heavy Merino braucht ungefähr halb so viele Stunden wie derselbe Pullover in KFO Merino – und sieht mindestens genauso schön aus. Wer einen Pullover stricken möchte, ohne das Projekt monatelang zu betreiben, nimmt Heavy Merino.
Mützen und Beannies: Schnell, einfach, befriedigend. Eine unkomplizierte Mütze aus Heavy Merino ist in einem Abend fertig.
Kinder- und Babykleidung: Für Alltagsstücke, die regelmäßig gewaschen werden. Heavy Merino ist weich genug für Babyhaut, pflegeleicht genug für den Familienalltag, und schnell genug, damit das Kind nicht hineingewachsen ist, bevor das Jäckchen fertig ist.
Anfänger-Projekte: Wer das erste Mal strickt oder nach einer langen Pause wieder anfängt, profitiert von der Sichtbarkeit der Maschen. Auf 4–5mm erkennt man Fehler leichter und kann sie einfacher korrigieren.
Strukturmuster wie Zöpfe und Rippen: Die größeren Maschen lassen Zöpfe plastischer wirken. Ein Zopfmuster-Schal aus Heavy Merino ist sowohl schnell fertig als auch optisch eindrucksvoll.
Schals und Accessoires: Wer ein Weihnachtsgeschenk strickt und fünf Tage hat: Heavy Merino.
Was passiert, wenn ich das eine durch das andere ersetze?
Kurze Antwort: Du musst die Anleitung umrechnen. KFO Merino und Heavy Merino sind nicht austauschbar ohne Anpassung.
Eine Anleitung für KFO Merino (Fingering, Maschenprobe 28M/10cm) auf Heavy Merino (Maschenprobe 18M/10cm) umzustricken bedeutet: Weniger Maschen für dieselbe Breite. Du must die Maschenanzahl anpassen oder auf eine Anleitung wechseln, die DK/Light Worsted spezifiziert.
Der umgekehrte Weg – Heavy-Merino-Anleitung mit KFO Merino stricken – bedeutet mehr Maschen, feinere Arbeit, längere Strickzeit, aber ein feineres Ergebnis.
Es gibt Projekte, die in beiden Gewichten gut funktionieren. Viele Anfängeranleitungen geben einen Bereich an: „DK bis leichtes Worsted". Dort liegt Heavy Merino genau richtig. Aber prüf immer die Maschenprobe der Anleitung und strick eine eigene Probe, bevor du loslegst.
Farben: Gibt es Unterschiede?
Die Farbpaletten von KFO Merino und Heavy Merino sind bewusst aufeinander abgestimmt – aber nicht identisch. Einige Farben existieren nur im Fingering, andere nur im Heavy Merino. Wenn du eine bestimmte Farbe in beiden Gewichten brauchst (zum Beispiel für einen Pullover, der Merino-Detailarbeit am Saum mit Heavy Merino am Körper kombiniert), schau vorher nach, ob diese Farbe in beiden Linien verfügbar ist.
Für Fading-Projekte oder mehrfarbige Tücher, bei denen beide Garne zusammen eingesetzt werden: Die Farbabstimmung ist hervorragend.
KFO Merino + Soft Silk Mohair: Die Kombination
Kein Vergleich zwischen diesen Garnen wäre vollständig ohne den Hinweis auf KFO Soft Silk Mohair. Das Lace-Garn aus 70% Kid Mohair und 30% Seide wird fast immer zusammen mit KFO Merino oder Heavy Merino gestrickt – ein Faden von jedem, gleichzeitig auf der Nadel.
Mit KFO Merino: Klassische, elegante Kombination. Das fertige Stückstück ist leicht, warm, mit dezentem Halo. Mit Heavy Merino: Noch fluffiger, noch wärmer. Für Winterpullover, bei denen Kuschelfaktor Priorität hat.
Unser Fazit
Wenn du die Qual der Wahl hast: Überleg zunächst, wie viel Zeit du hast und was für ein Projekt du vorhast.
KFO Merino wählen, wenn:
- Du ein feines Tuch oder eine Stola willst
- Du Farbwork mit vielen Motivdetails strickst
- Du Babykleidung für besondere Anlässe strickst
- Du dir Zeit nimmst und Feines schätzt
KFO Heavy Merino wählen, wenn:
- Du einen Alltagspullover in realistischer Zeit fertig haben möchtest
- Du eine Mütze als Wochenendprojekt strickst
- Du Anfänger bist und die Maschen gut sehen möchtest
- Du Zöpfe oder Strukturmuster strickst
- Du Babykleidung für den täglichen Gebrauch nähst
Beide sind zuverlässig, schön, und in einer Qualität, die sich im fertigen Stück sofort zeigt. Es geht nicht darum, welches besser ist – sondern darum, welches besser zu deinem Projekt passt.
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